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"Provinz-Manager" Thomas Boxhorn zum Aufstiegsverzicht des VfB Doberlug-Kirchhain
Nach der großen Euphorie über die vorzeitig gesicherte Brandenburgliga-Meisterschaft
der Damen vom VfB Doberlug-Kirchhain folgte in dieser Woche per Pressemitteilung
die Ernüchterung. Demnach hat sich die Mannschaft einstimmig dafür
ausgesprochen, auf den Aufstieg in die Oberliga Berlin-Brandenburg zu verzichten
und dem
HC 52
Angermünde den Vortritt zu lassen. Zu den Gründen äußert sich Thomas Boxhorn
(38),
der sich selbst als "Sponsor, Betreuer
und Provinz-Manager" des VfB bezeichnet, im Interview mit der RUNDSCHAU.
Herr Boxhorn, reizt Ihre
Mannschaft die Oberliga-Herausforderung nicht?
Nein, damit hat das nichts zu tun. Sportlich würden wir uns den Schritt durchaus
zutrauen, und wir haben ja auch schon dreimal bewiesen, dass die Chancen
durchaus da wären, die Oberliga zu halten. Vor einem Jahr hat uns gerade mal ein
Punkt zum Klassenerhalt gefehlt. Die Erfahrung ist also bei den meisten
Spielerinnen da, aber 'auch gerade deshalb ist die Entscheidung so gefallen, wie
sie das Team getroffen hat: Unsere Mädels haben keinen Bock mehr, sich von den
Berlinern und den Vereinen aus dem Speckgürtel ständig verschaukeln zu lassen.
Das muss ich so Knallhart sagen.
Recht harter Tobak: was genau
meinen Sie damit?
Ein echter Handball-Fuchs hat mir mal gesagt, den ich nur dick unterstreichen
kann: Wenn Du gegen Berliner Mannschaften mit einem Tor gewinnen willst, musst
Du mindestens um zehn Treffer besser sein. Es ist doch ganz einfach: Wenn wir
nach Berlin zum Auswärtsspiel müssen, kriegen wir immer Berliner Schiedsrichter
vor die Nase gesetzt. Und die verpfeifen uns von vorne bis hinten. Das ist zum
Teil skandalös.
Das beklagen
Fußballer auch, die es im Land etwas weiter nach oben geschafft haben.
Vorstellbar ist es dennoch kaum.
Fragen Sie bei anderen brandenburgischen Vereinen nach, in Guben oder in
Cottbus. Die sind sich einig da oben, wenn es um das Verkürzen der
Auswärtsfahrten geht nicht nur die Clubs untereinander.
Da geht
die Schieberei schon bei den Ansetzungen vor Saisonbeginn los
und die Provinzteams fallen hinten
runter. Davon hat man irgendwann die Nase voll.
Zumal die Oberliga zur
Brandenburgliga ohnehin einen Riesen-Qualitätssprung bedeutet. Die
Spielerinnen da sind zum Teil Halbprofis oder ehemalige Top-Handballerinnen,
die ihre Karriere ausklingen lassen wollen. Amateure haben es schon unter
regulären Bedingungen schwer, mitzuhalten.
Wäre es dann nicht
gerade wichtig, die Provinzler in der Oberliga zu stärken? Angermünde hat den
Mut. Die haben es
ja auch noch nicht erlebt: Aber im Ernst: Da was zu ändern, dafür haben wir im
Süden viel zu wenig Gewicht. Meines Erachtens ginge das nur; wenn man die
Oberliga Berlin-Brandenburg wieder trennen würde. Die besten fünf
Brandenburgligisten und unsere fünf Oberligsiten gehören in eine Staffel. Wer
sich da durchsetzt, ist fit, sich in der Regionalliga mit den Berlinern
herumzustreiten
Die Reform von 2000
werden Sie nicht zurückdrehen. Aber 2009 wieder Brandenburgliga-Sieger werden
- das geht. klar. Das wollen wir auch.
Und wie oft lässt
sich das mit Aufstiegsverweigerung wiederholen?
Sollten wir 2009 den Titel verteidigen, heißt es doch nicht, dass wir
weiterverweigern. Dann wird die Situation eine andere sein, über die neu geredet
wird. Wir sind Meister.
Aber der
Weg verlief nicht reibungslos. Der Kader hat sich nach' vier Abgängen auf zwölf
Spielerinnen reduziert, dazu kam die Sache mit der Trainerstelle. Wenn sich das,
beruhigt und die aufrückenden A-Junioren-Spielerinnen einschlagen, reden wir
nächstes Jahr anders darüber. Zumal die B-Jugend-Spielgemeinschaft mit
Finsterwalde und die starken C-Mädchen von Matthias Belig' für die Zukunft
hoffen lassen.
Sie reißen die
Trainerfrage an. Macht der Provinz-Manager jetzt auch noch die Lizenz? Bei der
Bilanz zuletzt! Es
ist ein offenes Geheimnis in Kirchhain, dass hinter 13 Siegen und einem Remis
in den letzten 14 Spielen nicht in erster' Linie ich als Betreuer auf der Bank
stecke, sondern dass Michael Schuster nach seinem Rückzug zu Saisonbeginn schon
seit Monaten wieder das Training leitet. Davor ziehe ich den Hut, und denke,
dass die VfB-Spitze in diese Richtung mit Gesprächen beginnen sollte. Aber erst
mal holen wir uns in Belzig den Pott ab und lassen es danach mit Fans und
Sponsoren krachen.
Mit THOMAS BOXHORN
sprach Kai Dietrich.
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